Das mit Abstand schönste und beste Schachspiel im App Store ist meines Erachtens Deep Green. Viele Entwickler setzen in der Grafik gerne auf aufwändige 3D-Effekte, Figuren in Glas-Optik oder dreidimensionale drehbare Spielbretter. Doch all das muss nicht sein. Wie aufregend Schach in 2D sein kann, zeigt Deep Green.
Die Spieloberfläche ist im Style eines ziemlich alten Brettes mit elfenbeinfarbenen und schokoladenbraunen mit viel Liebe zum Detail gestalteten Figuren gehalten. Eben so ein Spiel, das man in Opas alter Komode findet. Der Entwickler von Cocoa Stuff hat unter der Haube mit der Chess Engine “Tiny” 4.0 von Scott Ludwig gebastelt. “Unter der Haube” kann man hier beim Wort nehmen. Denn wischt man einmal quer nach links übers Spielfeld entdeckt man kleine animierte Zahnrädchen, die wohl den “Denkprozess” des Prozessors darstellen sollen. Darüber werden die verlorenen Figuren geordnet angezeigt.
Der Computer kann als Gegner gewählt werden, ebenso spielt das iPhone auch gerne gegen sich selbst. Wer nun gegen wen antritt, lässt sich in den Einstellungen, über den [i]-Button erreichbar, genau festlegen. Auch der Schwierigkeitsgrad kann eingestellt werden, er geht von “Hase” (schnelle Reaktion, aber unüberlegt) bis “Schildkröte” (lange Wartezeiten, hier ist Köpfchen gefragt). Insgesamt sind zehn Schwierigkeitsgrade auswählbar. Ich bin zwar kein Schachexperte und verliere so gut wie jedes Spiel – sei es noch so einfach – doch die Durchdachtheit von Deep Green lässt einen immer wieder staunen. Es ist eine dieser Apps, von denen man einfach nicht genug bekommen kann. Die meisten Übergänge und Animationen sind allerdings nicht neu. Das Wackeln einer Figur, wenn man auf sie tippt (Drag and Drop ist übrigens auch möglich), kennst du schon von den Icons auf dem Springboard. Das “Herumdrehen” (Flippen) des Spielfeldes ist genauso eine der Core-Animationen wie das “Wegsliden”. Trotzdem fasziniert es mich immer wieder.
Unter dem Spielfeld erkennt man sofort seine übersichtlich Toolbar. Ein Button zum neu beginnen, ein Button um einen Zug rückgängig zu machen, einer, um den durchgeführten Zug nochmal zu sehen, falls man ihn verpasst hat, einer für einen Tipp zum nächsten Zug (für Einsteiger, Profis werden sich darüber totlachen) und der [i]-Knopf. Das war’s auch schon. Alle Symbole können intuitiv verstanden werden, was ja bei anderen Apps nicht immer der Fall ist.
Interessant und sehr gut zum alleine Üben ist die Funktion, sich ein eigenes Spiel einzurichten (Setup), d.h. Figuren selber aufs Feld zu stellen und dann loszuspielen. So kann man verschiedene Situationen üben und mit der Playback-Funktion (in den Einstellungen [i] oder über bzw. unter dem Feld nach rechts wischen) die Züge analysieren, von einem Zug zum nächsten springen, anhalten, wieder zurück, vorspulen…
Deep Green, so scheint es nach ein paar Mal googlen, ist leider nicht so populär. Das mag wohl einerseits daran liegen, dass Menschen beim Spielen nicht nachdenken wollen, andererseits auch, weil kein großer Sponsor hinter dem Entwickler steht. Deep Green ist und bleibt aber ein besonders schön designtes und perfekt umgesetztes Schachspiel. Wie schon geschrieben: Eines der besten, die der App Store momentan anbietet.
Bewertung

Details
- iTunes-Link: Deep Green
- Preis (Stand: 13.08.2009): 5,99 € (kostenlose Lite-Version)
- Sprache: Englisch
- Verkäufer: Joachim Bondo
© 2008-2009 Cocoa Stuff - Version: 1.1.3
- Größe: 4.3 MB
- Hersteller Website


19:26 am 13. August 2009
Wenn ich Schach spielen könnte, würde ich mir das ja wirklich mal anschauen…
Schaut so aus als obdie Entwickler viel Liebe reingesteckt haben :p